Die Maremma

Die Maremma erhält immer mehr Beachtung in der Toskana. Maremma nennen die Italiener den Küstenstreifen zwischen Livorno und der Halbinsel Monte Argentario. Die größte Stadt in der Region ist Grosetto, 75 Kilometer südwestlich von Siena. Der lange Küstenstreifen am Mittelmeer ist perfekt für Tourismus geeignet. Dieser entwickelt sich sehr langsam, hat aber in den letzten Jahren deutlich zugenommen, da dieses Eck der Toskana extrem idyllisch und ruhig ist. Bei einer Bevölkerungsdichte von 50 Einwohnern pro km² sind wir in Deutschland mit durchschnittlich 229 Einwohnern pro km² richtig überbevölkert. Der Name Maremma leitet sich aus dem Spanischen marisma ab und bedeutet so viel wie sumpfiges Küstengebiet. Das klingt nach Reisanbau und nicht nach Wein. Im 19. Jahrhundert wurde die Maremma trocken gelegt, um die Malaria in den Griff zu bekommen.

Die Entwässerung gelang erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dies wurde teilweise durch die Pflanzung von Pinienwäldern, sowie das Anlegen von Gräben und Drainagen erreicht. Dadurch stellt sich die Landschaft der Maremma mit vielen Pinien und unberührten Landstrichen dar. Die Bedeutung wird durch die Anerkennung des Parco Naturale della Maremma 1975 unterstrichen. Bewusst wurde bereits landwirtschaftlich genutzte Fläche wieder der Natur übergeben. Aber welche Bedeutung hat Wein in der Maremma? Nehmen wir die beiden Auslöser für die große Aufmerksamkeit. Sassicaia und Ornelaia. Die beiden Kronen der Maremma sind einen Weg gegangen, der die italienische Weinwelt zum Umdenken bewegte. Rebsorten wurden verwendet, die keine Zulassung hatten oder nicht in der Menge zugelassen waren. Zum Verständnis: in der Region gab und gibt es klare Vorgaben, aus welchen Rebsorten in welchen Proportionen ein Wein zu bestehen hat.

Bereits um 1940 wurde für Sassicaia Cabernet Sauvignon gepflanzt. Zwar nur für den eigenen Bedarf, aber ab 1968 auch für den Verkauf. Cabernet Sauvignon hatte keine offizielle Zulassung und so durfte der Wein nur als Vino da Tavola (Tafelwein) verkauft werden. Die Preise für den Wein lagen aber bereits zu der Zeit weiter über denen für Tafelweine. Die so genannten Supertuscans waren geboren. Inzwischen hat Sassicaia seine eigene Herkunftsbezeichnung, DOC Bolgheri Sassicaia. Dies war der Start für viele Kellereien in der Maremma Rebflächen zu kaufen. Die Rebflächen in Italien sind nicht beliebig erweiterbar. Aus diesem Grund verzichten die Kellereien auf Rebflächen in ihren Heimatregionen, um in der Maremma Wein anzubauen. Das Land hat perfekte Böden, mehr Sonne, als im Hügelland der Toskana und Wind, um die Trauben zu trocknen. Alle Voraussetzungen für reife, hochwertige Trauben. Und das Weinmachen gelingt den Kellereien immer besser.

Die Familie Endrizzi aus dem Trentin hat es mit ihren Weinen aus der Kellerei Serpaia vorgemacht. Hohe Qualitäten für einen angemessenen Preis. Wir werden in Zukunft sicher noch mehr aus dieser Region hören und vielleicht werden dann die besten Toskaner aus der Maremma kommen.

Offizielle Herkunftsbezeichnungen aus der Maremma:

  • DOCG Morellino di Scansano
  • DOC Bolgheri
  • DOC Bolgheri Sassicaia
  • DOC Val di Cornia
  • DOC Monteregio di Massa Marittima
  • DOC Ansonica Costa dell’Argentario
  • DOC Parrina

Autor: Jörg Philipp, Degustar, Stuttgart

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