Einteilung der europäischen Weinbauzonen

Der europäische Weinbau hat eine sehr lange Tradition. In der Antike sowohl als Rausch- als auch als Heilmittel verwendet, waren die alten Römer die ersten, die den Anbau kultivierten und ein Geschäft daraus machten. Vor allem ihnen und den mittelalterlichen Ordensklostern ist es zu verdanken, dass dem Wein in Europa heute eine große Bedeutung zu kommt.

Dass Europas gesamte Rebfläche in unseren Tagen in insgesamt sieben unterschiedliche Weinbauzonen unterteilt ist, geht auf Europäisches Recht zurück. Grob werden die Kategorien A, B und C unterschieden, wobei diese Zonen nach den vorherrschenden klimatischen Bedingungen charakterisiert werden. Dabei steht das A für die kälteste Zone, wozu etwa alle Weinbaugebiete der Beneluxländer, Großbritanniens und Deutschlands gezählt werden (außer Baden, da hier ein etwas gemäßigteres Klima herrscht). Die deutschen Weinbaugebiete umfassen die Regionen Ahr, Hessische Bergstraße, Mittelrhein, Mosel-Saar-Ruwer, Nahe, Rheingau, Rheinhessen, Pfalz, Württemberg, Baden, Saale-Unstrut, Sachsen, Franken, Stargarder Land und haben eine Rebfläche von über 100.000 Hektar. Baden gehört wie übrigens Österreich auch deswegen schon zur Weinbauzone B, genau wie etliche Regionen in Frankreich, beispielsweise das Elsaß, Lothringen, die Champagne, der Jura, Savoyen und das Loiretal. (Quellen: www.ruesing-weine.de; www.pfalz.de; www.kochers.ch)

Zone C, dementsprechend das Kürzel für die wärmsten Weinregionen Europas, ist wiederum in C 1a, C 1b, C 2, C 3a und C 3b unterteilt, da gerade im südlichen Europa je nach Lage (ob im Landesinneren, an der Küste, im Mittelgebirge) unterschiedliche klimatische Spezifikationen innerhalb einer Zone herrschen können. Eine etwas kältere Region in dieser wärmsten Kategorie ist etwa Italiens Norden, für den entsprechend C 1a gilt. Unter C 1b fallen das Valle d’Aosta, das Gebiet des Valtellina, Südtirol und das Trentino sowie die Provinz Belluno im nördlichen Veneto. C 2 beinhaltet den französischen Midi, die untere Rhône und Provence außer der Küstenregion zwischen Marseille und St. Tropez sowie ganz Italien südlich der Zone C 1b bis einschließlich Kampanien sowie das nördliche Spanien. Zu C 3b zählen die höher gelegenen Regionen von Nord- und Westgriechenland und der Peloponnes sowie Kreta, während Korsika, Sardinien, Sizilien, Apulien, die Basilicata, Kalabrien, die wärmeren Gebiete Griechenlands wie die Ionischen und die Ägäischen Inseln, ein großer Teil Zentralgriechenlands, die Chalkidike, Südportugal sowie das mittlere und das südliche Spanien zur Kategorie C 3b gehören. (Quellen: www.pfalz.de; www.kochers.ch)

In der gesamten Zone C dürfen die Weine gesäuert werden (etwa mit Zitronensäure und Weinsäure), in den Zonen A und B dürfen Weine durch Zuckerung angereichert, nicht aber angesäuert werden. Die Winzer in Zone A dürfen den Wein dabei stärker anreichern als die Kollegen aus der Zone B. Das hat direkt zur Folge, dass auch die Prädikatsstufen in den verschiedenen Anbaugebieten unterschiedlich abgestuft werden müssen. So darf etwa ein Riesling aus Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer, Zone A, mit 67 Grad Oechsle (die Dichte des unvergorenen Fruchtsafts) schon als „Kabinett“ bezeichnet werden, während der gleiche Wein aus der badischen Zone B 76 Grad Oechsle erreichen muss. Die Untergrenze des Alkoholbereichs der trockenen Kabinettweine liegt darum bei etwa 8,75 bis 10,15 Prozent Alkohol. Für Weinkonsumenten ist diese Regelung allerdings doch etwas kompliziert. (Quelle: www.rabenhof.de)

Die Unterteilung in diese Zonen ist vor allem für die Winzer von Bedeutung, da in jeder Zone andere Vorschriften und Gesetze gelten, was Säureabbau und Säuerung – es dürfen Apfelsäure, Meta-Weinsäure, Weinsäure oder Zitronensäure zugesetzt werden – des Weins betrifft. Auch der natürliche Mindestalkohol sowie der erlaubte Grad der so genannten Verbesserung (es gibt selbständige Weine, die keiner Verbesserung bedürfen, und unselbständige, die angereichert werden müssen) der Weine fallen darunter. Außerhalb Europas besitzt einzig und allein Kalifornien eine ähnlich geartete und präzise Definition, die die klimatischen Bedingungen als standardisierten Prüfwert für Wein heranzieht. (Quellen: www.wzw.tum.de; www.enobooks.de)

Doch die Untergliederung Europas in unterschiedliche Weinbauzonen, so praktisch sie ist, bringt natürlich auch Kritik hervor. Dabei geht es in erster Linie um das Anreicherungsverfahren, das vor allem die nördlicheren Anbauländer wie Deutschland dazu nutzen, um die Weine qualitativ zu verbessern. Griechenland, Spanien, Portugal und Italien fordern seit längerem, dass diese Anreicherung mit Saccharose – also im Grunde durch das Hinzugeben von Zucker – eingestellt werden müsse. Ersatzweise soll die Anreicherung durch die Zugabe von Traubenmostkonzentraten durchgeführt werden. Französische Weinexperten hingehen wollen die Einführung modernerer Verfahren umgesetzt sehen, etwa der Kryoextraktion (mittels Kälte wird die Flüssigkeit in ihrer Zusammensetzung gezielt verändert) und Umkehrosmose (die Konzentration der Flüssigkeit). (Quelle: www.geb.uni-giessen.de) Aber auch Vorschläge aus Brüssel, die eine Neuregelung der Bezeichnungssystematik und des Anreicherungsverfahrens in Aussicht stellen, stoßen auf Ablehnung.

Autor: http://www.kulturgut-wein.info/

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