Fundi – Weine, die eine Zukunft geben

Bei einem Syrah sehen sie ein Rhinozeros – stark, leicht aggressiv im jugendlichen Stadium und beim Chardonnay einen eleganten Seeadler. Weine begreifen durch die Verbindung der Vision mit der eigenen Erfahrung. Denn erst, wenn die jungen Schüler selbst verstanden haben, was beim Wein eine kraftvolle Struktur ist, können sie es auch ihren Gästen erklären. Durch dieses innovative Lernverständnis gewinnen sie Selbstvertrauen und Wissen, das sie später immer noch mit filigranen Ausdrücken füllen können.

Doch diese Ausbildung kann den jungen Schwarzen aus finanziell schwachen Milieus erst durch den Verkauf von Weinen aus der Fundi-Familie ermöglicht werden. Weine, die von sechs namhaften Kapwinzern produziert werden und bei einer Blindverkostung der Cape Winemakers Guild (CWG) unter allen eingereichten Proben ausgewählt wurden. In Deutschland, Österreich und Italien ist der Fundi-Wein aus der Weinbergslage »Anwilka« ins Rennen zur Förderung der beruflichen Zukunft junger Menschen gegangen. Ein Wein, der Großes bietet. Die Trauben von Anwilka wachsen in exponierter Lage am Helderberg mit Ausblick auf den sieben Kilometer entfernten Ozean und die False Bay. Hier treffen zwei Weinwelten aufeinander und vereinen sich zu etwas Besonderem: Lowell Jooste, Mitbesitzer des legendären Weingutes Klein Constantia, pflanzte dort auf 40 Hektar vor zwölf Jahren Syrah, Cabernet und Merlot. Die außergewöhnliche Qualität von »Anwilka« weckte bald das Interesse zweier Weinpersönlichkeiten aus dem französischen Bordeaux. Bruno Prats, der ehemalige Besitzer von Cos-d’Estounel/Médoc und Hubert des Boüard de Laforest von Angélus/St. Émillion waren fasziniert von der Einzigartigkeit des Terrains. Sie schlossen sich mit dem Winzer, der für die Ursprünglichkeit südafrikanischen Weines lebt, zusammen. 2005 produzierte das Trio den ersten »Anwilka«-Wein, der die Diskussion des sachlichen, auch etwas snobistischen Franzosen mit der Verrücktheit des Afrikaners verbindet. Der Respekt vor der Natur und eine gemeinsame Vision sind für das internationale Dreigespann eine wesentliche Facette des Erfolges. Hier trifft die alte Weinwelt auf die neue. Eine Kombination, die man natürlich auch im Fundi-Wein von »Anwilka« schmeckt.

»Das Wichtigste ist, dass die Fundi-Weine selbst überzeugen«, meint Petra Mayer sicher. Denn das wohl originellste Weinprojekt der Welt lebt nicht von Mitleid, sondern von der Qualität der Weine, der eigenen Kraft Afrikas und dem gelebten Beispiel »Hilfe zur Selbsthilfe«. Es ist ein charismatischer Ansatz, den jungen Südafrikanern spielerisch die Größe eines Weines und die Sachlichkeit des Handels zu vermitteln. Noch fehlt ein Teil des Geldes für die 2010 Auszubildenden, die den Gästen der WM die südafrikanische Weinkultur und die Lebensart nahe bringen sollen. Doch bis das erste Tor geschossen wird, werden viele junge Schwarze eine neue Zukunft haben, die durch das Band vom Winzer bis hin zum jungen Menschen geschlossen wurde. Wein ist eben mehr als nur eine Rebe.


Nachdruck aus der Mai-Ausgabe des apéro-Magazins, mit freundlicher Genehmigung von: apéro, das kulinarische Esspapier

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