Kunst auf Wein-Etiketten

Kunst und Weingenuss haben eine lange Tradition. Heinz te Laake postulierte 1969 eine weit über die Etikettenfrage hinausgehende Philosophie. Er betrachtete die Gestaltung eines Weinetiketts als Frage der Gestaltung eines Gesamtkunstwerkes, das sich unter keinen Umständen nur mit der Gestaltung eines Etiketts begnügen dürfe. Er forderte als Druckverfahren das Originaldruckverfahren mit gleichzeitiger Gestaltung der Weinflasche. So entstand die „Visitenkarte“ guter Weine in limitierter Auflage als Gesamtkunstwerk. Das Weingut Balthasar Ress ließ sich von dieser Idee schnell überzeugen.

Künstleretikett Château Mouton Rothschild 2006, © Baron Philippe de Rothschild S.A.
Denn nicht ganz unbekannt war Catherine Ress-Aubry die Geschichte des Barons Rothschild, der bereits 1945 ähnliche Ideen umsetzen ließ. Phillipe Julian hatte 1945 von Baron Rothschild den Auftrag bekommen, das erste künstlerische Weinetikett zu entwerfen. Danach folgten so bekannte Künstler wie George Braque und Pablo Picasso. Doch sie hatten als hochrangige Künstler dennoch nicht die Möglichkeit, sich der Gestaltung eines Gesamtkunstwerkes zu widmen.

Dies geschah erst durch den Auftrag der Catherine Ress-Aubry und des Stefan Ress an Heinz te Laake im Jahr 1978. Te Laake durfte nun die ganze Weinflasche unter seine künstlerische Fittiche nehmen und sich dem Gesamtkunstwerk widmen. Damit war der Durchbruch gegeben. Ab 1979 folgten viele Künstler, die Weinetiketten bzw. Gesamtkunstwerke für edle Weine entwerfen durften. Die Idee des Gesamtkunstwerkes blieb in den Händen von Familie Ress. Ihre Spitzenweine überzeugen nicht nur als Weine, sie überzeugen auch in ihrer Gestaltung als Gesamtkunstwerk. Heute ist Heinz te Laake als Berater für die neuen Gesamtkunstwerke tätig.

Wer mehr über die Verbindung von gutem Wein und guter Kunst nachlesen will, findet ein Buch, das Wissenswertes zeigt und unter Wein- und Kunstkennern beliebt ist. Herausgegeben wurde es 1990 mit dem Titel „Kunst und Wein — Balthasar Ress und das Rheingauer Künstleretikett“.

Heute werden nicht nur von so berühmten Künstlern wie Warhol oder Chagall Weinetiketten entwickelt, heute dürfen sich auch andere Prominente dieser Welt daran versuchen. So durfte sich auch Prinz Charles in einem Aquarell verewigen und Baronin Rothschild enthüllte in New York das königliche Werk, das nun den Jahrgang 2004 ziert. Zusammen mit den Meisterwerken bekannter Künstler wie Salvador Dalí, Joan Miró und Keith Haring finden die Gesamtkunstwerke oder durch Künstlerhand gestalteten Weinetiketten unter der Obhut der Philippine von Rothschild Eingang in die Auktionen bei Sotheby’s. Wer sich über die Weinetiketten und Weinkreationen Rothschilds einen Überblick verschaffen will, kann unter www.bpdr.com fündig werden.

Ursprünglich wurde jedem Wein des Bordelais eine handschriftliche Jahreszahl verpasst, doch berühmte Weine durften sich schon seit 1880 mit einem Künstleretikett versehen lassen. Jugendstilkünstler und Künstler der Art Nouveau und des Art Deco folgten und machten Künstleretiketten als Ausdruck besten Weines bekannt.

Erhielten die großen Künstler immerhin 10 Kisten des besten Weines für ihre Arbeit, so galten die Künstleretiketten schon bald als Kunstobjekte. In der Welt der Kunstauktionen gelten die Künstleretiketten als preisgünstige Möglichkeiten, sich Originale aus Künstlerhand zuzulegen. Kein Wunder also, dass Mouton Rothschild Abfüllungen hohe Preise erzielen. Eine Flasche des 1945er “Philipp Jullian” mit 0,75-Liter kostet heute bereits 4100,- Euro. So tragen die Künstleretiketten dazu bei, dass Spitzenweine nicht nur Gourmetfreunden Freude machen sondern auch Kunstsammler in Begeisterung versetzen.

Autor: http://www.kulturgut-wein.info/

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