Wo Dionysos den Bacchus trifft – Offenburg und seine Weingötter

Die Weinstadt Offenburg lockt mit Kunst und edlen Weinen. Sonnendurchflutete Rebhänge, weiter Blick in die Rheinebene bis hinüber zum Straßburger Münster! So hat es einst Senator Franz Burda auf einem Spaziergang durch seine Reben im Offenburger Ortsteil Fessenbach empfunden und spontan beschlossen, dieses Wunder mit Kunstwerken zu krönen. So geht es auch heute noch Besuchern der Weinstadt Offenburg. Sie fühlen sich wohl in einer von Gott gesegneten Landschaft, genießen den Wein, der hier an den Rebhängen wächst und lassen sich von badischer Gastronomie verwöhnen.

Offenburg ist mit sechs renommierten Weinbaubetrieben, darunter drei Winzergenossenschaften, das Weingut von und zu Franckenstein, die Ortenauer Weinkellerei der Edeka sowie das Weingut Schloss Ortenberg am Sankt Andreas eine der größten Weinbaugemeinden Baden-Württembergs.

Fessenbach ist bekannt für seine Ruländer und Grauburgunder und entwickelt sich zusehends zu einer Spätburgunder-Gemeinde. Rammersweier bringt fruchtige Müller-Thurgau Weine hervor. Zell-Weierbach ist eine Burgundergemeinde mit Schwerpunkt Spätburgunder.

Das Weingut von und zu Franckenstein produziert hervorragende Grauburgunder und St. Andreas hat sich mit seinen Rieslingen, Weißburgundern und Spätburgundern einen Namen gemacht. Alles verbindend ist der Offenburger Weinwanderweg, der sich auf acht Kilometern durch das Offenburger Rebland schlängelt, vorbei an den Erzeugerbetrieben, die einmal im Jahr, zumeist im September beim Offenburger Weinwandertag, ihre Keller für die Besucher öffnen.

Wer von diesen Weinen gekostet hat, der wird die Götter verstehen: Dionysos, der später bei den Römern Bacchus hieß und Senator Franz Burda 1984 für immer nach Offenburg geholt hat. Der berühmte italienische Bildhauer und Maler Sandro Chia hat dem Weingott in seinem Atelier im New Yorker Stadtteil Chelsea jene Gestalt gegeben, wie sie heute am Eingang zum Offenburger Zwingerpark an der Hauptstraße in Form des Dionysos und im Ortsteil Fessenbach im Gewann Scheermatt entlang der Fessenbacher Straße/Weinbergstraße zu bewundern sind. Wer vor diesen irdischen Göttern steht, der ahnt etwas von der Lebensfreude, die die edlen Offenburger Weine transportieren.

In Fessenbach ruht die bronzene Brunnenplastik des Bacchus auf einem Sockel liegend. Der römische Weingott erhebt seine Arme der Sonne entgegen, der Lebensbringerin am Olymp. Bacchus ist der Erdverbundene, die Fruchtbarkeit selbst und so stellt Chia ihn auch dar. Vielmehr als der Gottvater Zeus hat Bacchus sich der Erdbevölkerung hingewandt und weniger die Distanz der Götter auf dem fernen Olymp gepflegt.

Diese Kraft und Lebensbejahung wird auch beim Dionysos deutlich, der bei einem Spaziergang durch Offenburgs Zwingerpark an der Stadtmauer die Blicke auf sich lenkt. Der griechische Weingott posiert in bewegter Haltung. Nur ein Tuch verhüllt seinen muskulösen Körper. Er kostet eine Traube, die er in der Hand hält. Vor ihm streckt sich ein Knabe ihm entgegen und bettelt um eine der zahlreichen Traubengewächse. Beide Figuren stellen den Weingott dar, nur in verschiedenen Altersstufen und Lebensphasen.

Wer nun schon im Zwingerpark bei Dionysos verweilt, der sollte den kurzen Weg zum Vinzentiusgarten an der westlichen Stadtmauer nicht scheuen. Gartenplastiken im Rokoko-Stil schmücken die Gartenmauer. Da ist die barfüßige Winzerin mit einer Traube in der linken Hand und dort der Winzer mit einem um die Schulter hängenden Korb voller Weintrauben. Lieblich verspielt ist dieses Gärtchen, zum Innehalten und Freuen auf den nächsten Weingenuss. Geöffnet ist es Montag bis Freitag jeweils 9 bis 16 Uhr sowie an den verkaufsoffenen Sonntagen und an den Aktionstagen. Die Originalfiguren befinden sich im Lapidarium im Garten und im Gewölbekeller des Aenne-Burda-Stifts, beides vom Museum im Ritterhaus betreut.

Mit freundlicher Genehmigung von: Susanne Wagner-Köppel, Offenburg.de

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